Weisheitsgeschichten

"Zum Abschluss ein Schatz aus meiner Kiste"

Der Schlüssel zum Himmel

Der Schlüssel zum Himmel - Irene Marti - Hombrechtikon

Als Gott die Welt schuf, waren die Menschen noch alle bei ihm in seinem himmlischen Reich. Aber Gott wollte, dass sie sich auf die Erde begaben, die er für sie bestimmt hatte.

„Was können wir tun“, fragte der Erzengel Gabriel, „damit sie nicht immer wieder hierher zu uns in den Himmel kommen? Sie sollen dort leben, wo sie hingehören – auf der Erde.“ 

Gott und die Erzengel berieten.

Der Engel Michael sagte: „Wir müssen den Himmel verschliessen.“

„Aber wo lassen wir den Schlüssel?“ fragte Gabriel.

Michael: „Wir müssen ihn verstecken. An irgendeinem Ort, wo die Menschen ihn nicht finden.“

Einer der Engel schlug vor: „Wir könnten den Schlüssel im Meer versenken.“

Darauf Gott: „Ich kenne die Menschen. Sie werden ihn finden.“

Ein anderer Engel: „Dann verstecken wir ihn im Schnee der höchsten Berge.“

Gott: „Sie werden ihn finden.“

Der Engel Esekiel, der auch ein moderner Engel ist: „Wir schiessen ihn in den Weltraum.“

Gott: „Sie werden ihn finden.“

Da meldete sich Gabriel: „Ich hab’s gefunden. Wir verstecken den Schlüssel im Herzen der Menschen.“

Darauf Gott: „Ja, lass uns das tun, sie finden ihn leichter im Meer und im Weltraum als in ihrem eigenen Herzen, aber wenn sie ihn dort finden, dann sollen sie ihn auch benutzen dürfen."


Seesterne retten


Ein alter Mann spazierte jeden Tag dem Meer entlang. Eines Tages sah er einen kleinen Jungen, der vorsichtig etwas aufhob und es ins Wasser warf.

«Was machst du denn da?» fragte der Mann. Der Junge richtete sich auf und antwortete: «Ich werfe Seesterne ins Meer zurück. Es ist Ebbe und die Sonne brennt herunter. Wenn ich es nicht tue, dann sterben sie.»

«Aber Junge», erwiderte der Alte, «ist dir eigentlich klar, dass hier Kilometer um Kilometer Strand ist? Und überall liegen
Seesterne. Du kannst unmöglich alle retten. Was du da tust, macht doch keinen Sinn»

Der Junge bückte sich, nahm einen Seestern auf und warf ihn lächelnd ins Meer: «Aber für diesen Einen macht es Sinn»


Diogenes und das Linsengericht


Eines Tages sass Diogenes auf der Schwelle eines Hauses und ass einen Teller Linsen.

In ganz Athen gab es kein billigeres Essen als dieses Linsengericht.

Anders gesagt, einen Teller Linsen zu essen bedeutete, dass man sich in einer äusserst prekären Situation befand. Ein Minister des Kaisers sagte zu ihm: „Wie bedauerlich für dich Diogenes! Wenn du lernen würdest, etwas unterwürfiger zu
sein und dem Kaiser ein bisschen mehr zu schmeicheln, müsstest du nicht so viele Linsen essen.“

Diogenes hörte auf zu essen, hob den Blick, sah den wohlhabenden Gesprächspartner fest an und antwortete: „Bedauerlich für dich, Bruder. Wenn du lernen würdest, ein paar Linsen zu essen, müsstest du nicht so unterwürfig sein und dem Kaiser ständig schmeicheln.“

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