Der Name, der genannt werden kann, ist nicht der ewige Name.
Das Unnennbare ist das ewig Wirkliche.
Jemand fragte mich, was meine bisherigen Newsletters mit Qi Gong zu tun hätten....
Meine bisherigen Texte waren in einer uns geläufigen und verständlichen Sprache abgefasst. Die Chinesische Weisheit und das Qi Gong gründen vor allem auf den Lehren des Buddhismus, des Konfuzianismus und des Taoismus - der Lehre des Tao. Der Taoismus bildet die Grundlage aller Lehren. Er ist ein Modell, ein Versuch, die Welt zu erklären und er ist am ehestens frei von Dogmen, Vorschriften und Verboten. Zumindest in seiner ursprünglichen Form. Er beschreibt ewige Gesetzmässigkeiten, die wir selber erforschen können - oder auch nicht.
Heute möchte ich einen Bezug herstellen zwischen meinen bisherigen Briefen und der Lehre des Tao. Ich möchte es diesmal in der Sprache des „Tao Te King“ oder „Daodejing“ tun. (Bitte beachte, dass es für chinesische Ausdrücke immer verschiedene Schreibweisen gibt.)
Das Buch „Tao Te King“ ist jahrtausendealt. Es wird dem Weisen Laotse („alter Weiser“) zugeschrieben, der im 6. Jahrhundert vor Christus gelebt haben soll. Seine Existenz ist jedoch umstritten. Hier ist ein Textausschnitt über Laotse (oder Laozi - verschiedene Schreibweisen), den ich unter http://de.wikipedia.org/wiki/Laozi gefunden habe:
Zitat: „Der chinesischen Tradition zufolge soll Laozi zur „Zeit der Streitenden Reiche“ im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben, die von Unruhen und Kriegen geprägt war. Es war eine Blütezeit der chinesischen Philosophie, weil viele Gelehrte sich Gedanken machten, wie wieder Frieden und Stabilität erreicht werden könnten. Der Legende nach war Laozi ein kaiserlicher Archivar und Bibliothekar. So wird erzählt, dass Konfuzius ihn aufsuchte, um von ihm zu lernen. Um den Wirren der Zeit zu entfliehen, soll Laozi sich in die Einsamkeit der Berge zurückgezogen haben. Der Grenzwächter des Bergpasses forderte ihn jedoch auf, der Welt seine Weisheit nicht vorzuenthalten, woraufhin Laozi das Daodejing schrieb und dem Grenzwächter überreichte. Diese Geschichte wird heute ebenso wie die anderen Teile der Biographie des „alten Meisters“ von den meisten als Legende betrachtet.“ Zitat Ende
Das Tao Te King umfasst 81 Verse, selbstverständlich in chinesischer Schrift abgefasst. Da eine wortwörtliche Uebersetzung aus der chinesischen Zeichenschrift nicht möglich ist, gibt es zahlreiche Uebersetzungen und Interpretationen, die immer vom jeweiligen Autor geprägt sind. Welche Uebersetzung uns mehr und welche weniger anspricht, ist persönlich. Diesmal habe ich das wunderschöne Kartenset von Isolde Schwarz gewählt. Es enthält 49 Sprüche (nicht alle 81 Sprüche!) aus dem Tao Te King auf Meditationskarten mit einem sehr informativen Büchlein dazu. (Isolde Schwarz: „Tao Te King“ Kartenset)
Zur Veranschaulichung und Vervollständigung meiner bisherigen Newsletters stelle ich hier einige dieser Sprüche vor. Die Verse, die ich ausgewählt habe, sind z.T. unvollständig. Ich habe Textstellen ausgewählt, die sich auf das jeweilige Thema des Newsletters beziehen.
Eine vollständige Abhandlung über den Taoismus kann ich nicht geben, füllt er doch Bibliotheken. Ich werde mich auch in Zukunft darauf beschränken, Anregungen zum Meditieren über einzelne Aspekte zu geben. Denn erklären kann ich nicht, was nicht erklärbar ist.
Du kannst diesen Newsletter einfach durchlesen, wenn du magst. Vielleicht möchtest du später, wenn deine Gedanken um diese Themen kreisen, noch einmal nachlesen. Vielleicht besorgst du dir selber eines Tages eine Version des Tao Te King.
Doch was ist denn nun das Tao oder Dao? Ein kleiner Hinweis sei mir erlaubt: es ist jenes Unbeschreibliche, welches wir in meditativer Versenkung erahnen können. Das, was jenseits von allem und doch überall ist.
Das Tao - Vers 6 (Auszug)
Das Tao bezeichnet man als die grosse Mutter:
Leer, doch unerschöpflich,
bringt es die unzähligen Welten hervor.
Es ist immer in dir da.
Du kannst es ganz nach Belieben verwenden.
Mein erster Newsletter handelte von Präsenz. Präsenz ist Voraussetzung dafür, dass wir das Tao vielleicht erahnen können.
Präsenz - Vers 50 (Auszug)
Der Meister widmet sich allem,
was der Augenblick gerade bringt.
….
Er denkt über seine Handlungen nicht nach:
Sie fliessen aus dem innersten Kern seines Wesens
Präsenz - Vers 37
Das Tao tut nie etwas,
doch durch es wird alles getan
Könnten grosse Männer und Frauen
Ihre Mitte in ihm finden,
würde die ganz Welt,
ihren natürlich Rhythmen gemäss,
von selbst umgewandelt werden.
Die Menschen wären zufrieden
mit ihrem schlichten, alltäglichen Leben
in Eintracht und frei von Begierde.
Wenn es keine Begierde gibt,
existiert alles und jedes in Frieden
Die Aspekte, die dem Thema Präsenz folgten (Wahrnehmung – Wertschätzung – Fühlen) sind einige der Voraussetzungen für Präsenz.
Beim Thema Wahrnehmung ging es um das Erkennen (nicht zwingend um Vermeiden und schon gar nicht um Verleugnen) der eigenen Bewertungen.
Wahrnehmung - Vers 2 (Auszug)
Wenn gewisse Dinge als schön gelten,
werden andere Dinge hässlich.
Wenn gewisse Dinge als gut gelten,
werden andere Dinge schlecht
Bei der Wertschätzung ging es um die urteilsfreie, wertschätzende Beobachtung jeder Situation.
Wertschätzung - Vers 29 (Auszug)
Willst du die Welt verbessern?
Ich glaube nicht, dass man das kann.
….
Die Meister sehen die Dinge, wie sie sind
Versuchen jedoch nicht, sie zu kontrollieren.
Sie lassen sie ihren eigenen Weg gehen
Und wohnen im Mittelpunkt des Kreises.
Wertschätzung - Vers 16
Mach deinen Geist völlig gedankenleer
Stimme dein Herz auf Frieden ein.
Sieh dem Getümmel der Wesen zu, aber sinne nach über ihre Rückkehr.
Jedes einzelne Wesen im Universum kehrt zur gemeinsamen Quelle zurück.
Zur Quelle zurückkehren – das ist heitere Gelassenheit.
Wenn du die Quelle nicht klar erkennst, irrst du dahin in Verwirrung und Leid.
Wenn du klar erkennst, woher du kommst,
kannst du ganz natürlich duldsam werden und unvoreingenommen, belustigt,
gutherzig wie eine Grossmutter,
würdevoll wie ein König.
Ins Wunder des Tao versenkt,
kannst du alles bewältigen, was das Leben dir bringt,
und wenn der Tod kommt, bist du bereit.
Fühlen: Wir können das Tao nicht mit dem Verstand entschlüsseln. Fühlen ist Wahrnehmung jenseits von Sinnen und Verstand.
Fühlen - Vers 12
Farben machen das Auge blind
Töne machen das Ohr taub
Gewürze stumpfen den Geschmacksinn ab.
Gedanken schwächen den Geist.
Begierden dörren das Herz aus.
Die Meister beobachten die Welt,
vertrauen aber ihrer inneren Sehkraft.
Sie lassen die Dinge kommen und gehen.
Ihr Herz ist offen wie der Himmel.
Lass die Sprüche auf dich wirken. Lies sie und denk nicht zu angestrengt nach. Nimm die Dinge nicht tierisch ernst – spiele damit und: