HOME
ÜBER MICH/KONTAKT
QI GONG VIDEO!
ALLE ANGEBOTE
QI GONG
YOGAPILATES & QI GONG
YOGA
AKTUELLE KURSDATEN/PREISE
WORKSHOPS UND SEMINARE
PRIVATLEKTIONEN, COACHING
VORTRÄGE, ERLEBNISVORTRÄGE
WISSENSWERTES
NEWSLETTERS
Präsenz
Wahrnehmung
Wertschätzung
Fühlen
Das Tao
WEISHEITSGESCHICHTEN
LAGEPLAN HOMBRECHTIKON
LINKS UND TIPPS
       


Copyright Irene Marti, Autorin - www.irenemarti.ch

Druckversion runterladen

Weitere Newsletters finden Sie unter "Newsletters"




Die Schüler wollten vom Meister wissen, welche Art der Meditation er denn jeden Morgen im Garten praktiziere. Der Meister antwortete: "Wenn ich aufmerksam schaue, sehe ich den Rosenstrauch in voller Blüte." Ein Schüler: "Aber warum muss man denn aufmerksam schauen - die Blüten sind doch wirklich auffällig genug!"

Das, wovon der Meister in der Geschichte spricht, ist die reine, ungefilterte Wahrnehmung. Wahr-Nehmung. Sie geschieht über die Sinne, ohne Einmischung unseres Verstandes und sie ist Voraussetzung, wenn wir wirklich präsent sein wollen. 

 Etwas einfach wahr-zu-nehmen,  bedeutet NICHT:  

 zu kommentieren

zu beschreiben

zu analysieren

zu interpretieren

zu erklären

zu rechtfertigen

zu vergleichen

zu bewerten

zu etikettieren

zu schubladisieren

usw.

 Widerstände dagegen aufzubauen wie:

Langeweile

Abneigung

Weigerung

Besserwisserei

Rechthaberei

usw.

 Alle diese Reaktionen begrenzen die unendlichen Weiten der reinen Wahrnehmung. Das heisst keinesfalls, dass wir sie alle vermeiden sollen! Sie gehören zum Leben, sie sind völlig OK und ohne sie wäre es ziemlich fad! Es ist nur von grossem Vorteil, wenn wir uns bewusst sind, was grade bei uns abläuft. Und wenn wir wissen: reine Wahrnehmung ist etwas anderes. Und es ist von grossem Vorteil, wenn wir wählen können, was wir tun. Wenn wir aussteigen und ein anderes Spiel spielen können. Das geht nur, wenn wir die Mechanismen kennen. Kannst du eine Rose einfach WAHR-NEHMEN, so wie sie ist, anstatt sie mit deinem Verstand zu zerpflücken? Einfach mit deiner ganzen Aufmerksamkeit mit ihr PRÄSENT SEIN, hier und jetzt? Schwierig? Weißt du, dass du die Welt genauso wahrgenommen hast, bevor du denken konntest? Schau einfach einem Baby im ersten Lebensjahr zu. Beobachte sein Staunen, seine unschuldige Neugierde. Wird das kleine Menschlein etwas älter, kannst du ihm nicht mehr so oft dasselbe Spielzeug unter die Nase halten. „Kenn ich schon, langweilig. Gib mir das Nächste zu entdecken!" Doch noch bietet die Welt genügend Neues und alles wird mit derselben kindlichen Neugierde erforscht.



Auch wenn wir als Erwachsene immer noch gelegentlich auf diese Weise wahrnehmen, so geschieht dies meist mehr oder weniger unbewusst und in der Schule lernen wir darüber nichts. Wir lernen vielleicht die Namen der Bäume - aber lernen wir, einen Baum zu fühlend wahrzunehmen? Lernen wir, ruhig zu werden und den Ideen, die in uns schlummern, Raum zu geben? Lernen wir, diese Fähigkeit und deren grosses Potential zu nutzen? Manche Menschen kommen selber drauf, manche nicht. 

Ungefilterte Wahrnehmung geschieht meist grade noch im Bruchteil der Sekunde, in der wir etwas bemerken. Unser Verstand schaltet sich sofort automatisch ein, etikettiert und ordnet Dinge, Phänomene, Gefühle und Emotionen: „Hund“, „Auto“, „Migräne“, "Bauchweh", „Frust", „Wut“, „Begeisterung“. Kennen wir schon. In die entsprechende Schublade, fertig. Bei unbekannten Objekten und Phänomenen stellt der Verstand eine neue Schublade bereit: "Computer", "Handy", "MP3-Player", "Burnout", "Work-Life-Balance"..... Das ist gut so, denn natürlich können wir nicht alles, was uns begegnet, jedes Mal neu erforschen. Die Ordnung, die der Verstand für uns laufend schafft, sorgt dafür, dass wir genügend Aufmerksamkeit frei haben für das tägliche Leben und für immer neue Erfindungen und Erfahrungen. Das ist hilfreich und macht Sinn. Mit Hilfe des Verstandes wurden grossartige Errungenschaften möglich. Aber: selbst Einstein und Edison sollen gesagt haben, dass ihre genialsten Ideen nicht beim Denken, sondern in Phasen der Stille auftauchten. Ideen entspringen nicht dem Verstand, sondern der Intuition. Tatsächlich ist das Herz der Kaiser, die Intuition ist seine Inspiration und der Verstand sein Stratege. In der Zusammenarbeit liegt das Erfolgs-Geheimnis. Es liegt in der Natur der Intuition, dass ihre Stimme leise ist und wir sie nur hören, wenn wir uns auf sie einlassen. Reine Wahr-Nehmung, Fühlen anstatt Denken öffnet den Kanal zur Intuition. Und es liegt halt in der Natur des Verstandes, dass seine Stimme laut ist.

 Unser Verstand ist das Ego-Aeffchen, das sich unglaublich gerne wichtig macht, ständig Aufmerksamkeit braucht, überall seine Nase reinstecken, seinen Kommentar abgeben, alles immer besser wissen und eh schon lange gewusst haben will. Der Verstand muss ständig plappern und alles übertönen, damit keiner merkt, wie begrenzt er ist. Er kann nichts dafür, er ist einfach so – es liegt an uns, ihm den Job zuzuweisen, für den er gedacht ist.

Wobei übrigens die Bezeichnung „Aeffchen“, die oft für den Verstand gebraucht wird, unseren tierischen Verwandten nicht gerecht wird. Affen sind viel eher zu reiner Wahrnehmung fähig als wir. Vor einem Affengehege frage ich mich jedes Mal, welches hier eigentlich die Affen sind. Wir sagen: „Schau, der Affe kratzt sich, der hat bestimmt Flöhe!“ (erklären, analysieren, interpretieren). „ Schau, die Zwei streiten sich – der da ist der Böse und der andere der arme Kerl“ (bewerten, vergleichen, schubladisieren, interpretieren, analysieren). Wir können es nicht lassen, alles zu kommentieren. Der Affe schaut uns an und denkt sich vermutlich gar nichts, obwohl wir uns wie Affen benehmen.

QI GONG
 
Wenn wir beim Qi Gong Ueben NICHT davon ausgehen, dass es genau gleich ablaufen wird, wie letztes Mal, sondern neugierig beobachten und gleichzeitig ohne jede konkrete Erwartung sind, werden wir immer wieder neue Dimensionen erfahren. Dann wird Qi Gong zum spielerischen Lernprozess. Wenn wir uns ganz auf Körper, Atem, Bewegungen und auf alle Phänomene einlassen, werden wir die Uebungen immer wieder neu erleben. Wenn wir die Gedanken, die kommen und gehen, einfach nachsichtig zulassen, dabei immer wieder einen Schritt zurücktreten und neutral beobachten, was da in unserem Mind so alles abgeht, werden wir auch immer wieder kleine, persönliche Wunder erleben. Kleine, persönliche Erleuchtungen – nimm dieses Wort nicht so "ernst"! Vermutlich werden wir auch diese neuen Erfahrungen wieder etikettieren und uns damit begrenzen, aber wir können auch immer wieder über diese Grenzen hinauswachsen. Wenn wir wollen. Voraussetzung ist nur, dass wir es erkennen, wenn das Aeffchen sich wieder wichtig macht.

 SPIELE FÜR DEINEN ALLTAG 

 Beobachte, wie du alles Mögliche, das in deinem Alltag passiert, in deinem Kopf kommentierst. Siehe Liste ganz oben. Beobachte auch, wie du dich selber bewertest, WEIL du kommentierst. Versuch nicht, es zu stoppen, beobachte es einfach - es ist nur der ganz normale Wahnsinn. 

 Mache einen Spaziergang oder geh in deinen Garten. Wähle einen Baum, schau ihn dir an, seine Form, sein Blätterwerk, geh zu ihm und berühre ihn - wie fühlt er sich an? Rieche seinen Duft, höre auf das Rauschen seiner Blätter oder leg dein Ohr an seinen Stamm. Bemerke, dass "grün", "rauh" oder "rauschen" usw. nur Worte sind - sie sind nicht das, was sie bezeichnen. FÜHLE das, was sie bezeichnen. Atme mit dem Baum, sei mit dem Baum. Du kannst ihn berühren, in seiner Nähe sitzen und atmen oder "Stehen wie ein Baum" oder "Den Baum umarmen" oder was immer du möchtest.  Schenk ihm deine volle Aufmerksamkeit, deine ganze, uneingeschränkte Präsenz. SEI einfach mit ihm.

 Wenn Gedanken kommen, vertreib sie nicht, erzähl sie einfach dem Baum - er erzählt sie nicht weiter. Und wenn du bereit bist zu hören, wird er dir vielleicht antworten.

 HAVE FUN! 

 Herzlichst

Irene

 
   
   
   
Top